Schlafwandeln ist häufiger als viele denken – besonders bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. Prof. Dr. med. Markus Weih, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie am Medic-Center Schweinau, erklärt im Interview, dass Schlafwandeln meist harmlos ist, jedoch zu Verletzungen führen kann. Wichtig sind eine sichere Schlafumgebung, ein regelmäßiger Schlafrhythmus und das Vermeiden von Alkohol am Abend.
Zur Behandlung empfiehlt er Entspannungsverfahren und sogenannte Vorsatzformen, mit denen das Gehirn lernt, das Schlafwandeln zu kontrollieren. Schlafwandler sollten nicht abrupt geweckt, sondern ruhig angesprochen und ins Bett zurückgeführt werden.
Interview mit Prof. Dr. med. Markus Weih - Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie
Schlafwandeln ist ein weit verbreitetes Phänomen. Doch wie geht man mit Schlafwandlern um und was kann man selbst dagegen tun, wenn man weiß, das man zu dieser nachtaktiven Sorte Mensch gehört?
Wir haben unserem Prof. Dr. med. Markus Weih, Facharzt für Neurologie im Medic-Center Schweinau - Neurologie, diese Fragen gestellt:
Weih: Die schlafwandlerische Sicherheit gibt es nicht.
Jemand der schlafwandelt kann sich durchaus auch einmal verletzten.
Weih: Wenn es sicher ist, dass jemand schlafwandelt, dann ist es erstmal wichtig sich darüber zu informieren und für eine sichere Schlafumgebung zu sorgen. Zudem ist ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus wichtig.
Alles was den Tiefschlaf fördert, wie zum Beispiel Alkohol, sollte abends vermieden werden. Zu raten sind kleine Nickerchen am Tag, damit der Schlafdruck vermindert wird.
Wenn diese Maßnahmen nicht helfen, sollte dennoch auf eine sichere Schlafumgebung geachtet werden.
Weih: Richtig, bis zu 30 Prozent der Kinder sind Schlafwandler. Hieran erkennt man auch, dass diese Erscheinung etwas damit zu tun hat, dass das Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist.
Weih: Wichtig ist es, ein Entspannungsverfahren zu erlernen. Dazu gehört alles was allgemein entspannt und den Stress reduziert.
Zudem gibt es sogenannte Vorsatzformen, hier sollte die betroffene Person sich wiederholt Mantras aufsagen. Zum Beispiel: „Wenn meine Füße den Boden berühren, dann wache ich vollständig auf“.
Durch Wiederholung lernt das Gehirn auch im Tiefschlaf, das Schlafwandeln zu kontrollieren. Erst wenn die genannten Maßnahmen nicht anschlagen und jemand regelmäßig schlafwandelt und/oder sich dabei schon verletzt hat, würden auch vorübergehend klassische Schlafmittel eingesetzt werden.
Weih: Nein, das ist nicht zu empfehlen. Denn Schlafwandler könnten aggressiv reagieren.
Empfohlen wird, den Schlafwandler ruhig mit dem Namen anzusprechen und ihn vielleicht auch berühren und die Person dann mit beruhigenden und ruhigen Worten ins Bett zurück begleiten.