Darmkrebsvorsorge kann Leben retten

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Darmspiegelung, kein Grund zur Angst

Es gibt viele verschiedene Krebsarten – sicher sind sie alle schlimm und keiner möchte an Krebs erkranken. Warum aber hört und liest man immer wieder gerade so viel über die Darmkrebsvorsorge? Das hat verschiedene Gründe: Darmkrebs tut nicht weh, man spürt ihn nicht sofort. Wir wissen also nicht, wenn wir ihn vielleicht schon haben. Außerdem ist Darmkrebs eine der führenden Ursachen für Krebserkrankungen in den westlichen Nationen und hat eine steigende Tendenz – er kommt also zunehmend häufig vor. In Deutschland sterben jährlich über 25.000 Menschen an Darmkrebs und dessen Folgen. Darum werben Ärzte als auch gerade in Deutschland die Felix-Burda-Stiftung, die diese Zahlen veröffentlicht, immer wieder und nachdrücklich für die Darmkrebsvorsorge. Denn Darmkrebsvorsorge kann in der Tat Leben retten!
An eine Darmspiegelung zu kommen ist eigentlich recht einfach: Jeder in Deutschland Versicherte kann sich freiwillig, nach einer entsprechenden Aufklärung und Voruntersuchung einen Termin für eine Darmspiegelung besorgen.

Aber warum muss trotzdem noch so aktiv dafür geworben werden? Ganz einfach und platt gesagt: Wer lässt schon gerne hinten reinschauen? Alles was mit dem (End-)Darm und der Verdauung zu tun hat, wird landläufig oft als unappetitlich und unangenehm angesehen. Darum ist die Hemmschwelle dahingehend groß und das Thema schambehaftet. Dazu kommt, dass viele ein etwas abschreckendes Bild von einer Darmspiegelung im Kopf haben - das in der Realität jedoch fast immer relativiert wird. Und dennoch kämpfen Ärzte immer noch mit der Akzeptanz der Untersuchung - die bei Frauen interessanterweise höher ist, als bei Männern. Wissenschaftliche Studien belegen, dass mit der Akzeptanz einer Darmkrebsvorsorge, das Auftreten des Dick- und Mastdarmkrebses in den letzten Jahren signifikant gesenkt werden konnte.

Wir haben unseren Kollegen Dr. med. Stephan Pfäffl im Interview um ein paar Antworten zu dem Thema gebeten.

 

Wie läuft so eine Untersuchung genau ab und warum muss man keine Angst davor haben?

Am Anfang steht das ärztliche Aufklärungsgespräch. Der Patient bekommt in einem persönlichen Gespräch mit dem Arzt die Methode und alle möglichen Risiken dargelegt. Schließlich kommt man zu einer Vorsorge freiwillig und in vermeintlich bester Gesundheit und sollte daher umfassend informiert sein, um sein persönliches Risiko abschätzen können.

Dabei wird auch eine Familienanamnese gemacht, wobei man nach Besonderheiten oder Erkrankungen innerhalb der Familie in Bezug auf Polypen oder auch Darmkrebs fragt.

Am Ende bespricht der Arzt die Sedierung oder Beruhigung. Und das ist das angenehme an der Darmspiegelung – man darf bei der Untersuchung schlafen. Mit modernen Mitteln lässt sich ein Kurzschlaf, der nur für die Dauer der Untersuchung anhält und in der Regel 15 bis 20 Minuten dauert, einstellen.

Letztlich wird die Untersuchung nur durchgeführt, wenn auch ein Vorgespräch stattgefunden hat. Hier hat man als Patient auch noch einmal die Möglichkeit Bedenken zu äußern, Fragen zu stellen und Besonderheiten zu besprechen.

 

Kann es zu Komplikationen kommen? Was passiert, wenn der Arzt etwas findet?

Die reine Diagnostik, also das Absuchen und Inspizieren des Darms, ist relativ sicher und gefahrlos. Komplizierter wird es erst dann, wenn der Arzt einen Polypen findet. Hier muss vorher geklärt sein, ob der Arzt den Polypen gleich entfernen soll oder der Patient darüber erst informiert werden möchte. In letzterem Fall muss die Spiegelung wiederholt werden. Natürlich wird auch das im Vorgespräch angesprochen und der Patient auch gleich für den Fall einer Polypenentfernung aufgeklärt.
Bei der Polypenentfernung selbst kann es in seltenen Fällen zu Blutungen oder Darmverletzungen kommen. Verletzungen bei der reinen Spiegelung sind noch seltener. Es können auch Nachblutungen auftreten und auch eine Perforation ist theoretisch möglich, wobei diese von Art, Größe und Ausdehnung des Polypen abhängen. Es wäre falsch, wenn man die Polypenentfernung als vollkommen unbedenklich und gefahrlos verkauft. Jeder langjährig tätige Gastroenterologe weiß von Fällen zu berichten, bei denen der Patient leider zu Schaden gekommen ist. Ein guter Arzt arbeitet in diesem Wissen, klärt seine Patienten entsprechend auf und ruft sich täglich aufs Neue auf, seinen Job gut und gewissenhaft zu machen.

 

Wie oft wird Darmkrebs bei einer Untersuchung gefunden?

In der Praxis messen sich die Ärzte an der sogenannten Detektionsrate der Polypen (Adenomdetektionsrate). Je höher die liegt, umso genauer ist der Arzt. Die Ärzte im Zentrum für Gastroenterologie in Nürnberg entdecken bei ca. 250 Untersuchungen pro Woche immer wieder Übergänge in ein Karzinom (bösartige Erkrankungen, die schon zu Krebs geworden sind) – auf die genannte Menge in ein bis zwei Fällen pro Woche. Dabei müssen das nicht unbedingt Fälle sein, die schon wegen Symptomen in die Praxis kommen.

In einer großen gastroenterologischen Praxis werden tagtäglich Polypen entfernt. Doch erst nach dem histologischen, sprich feingeweblichen, Befund bekommt der Arzt die Information darüber, um welche Form des Polypen es sich handelt. Das kann zum Beispiel auch ein Karzinom sein – in diesem Fall wäre die Entfernung auch gleichzeitig die Behandlung und die Therapie.

Etwas differenzierter betrachtet werden müssen Patienten, die bereits symptomatisch sind. Sprich, die mit der Entwicklung oder Feststellung von Blutarmut, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl zum Arzt kommen. Denn das alles kann ein Hinweis sein für ein bereits bestehendes Karzinom.

Damit wird auch klar, warum es so wichtig ist, sich regelmäßig checken zu lassen. Und wenn wie im Falle des Karzinoms (Polypen) schon die Entfernung die Therapie sein kann, was passiert dann erst, wenn man nicht bzw. erst bei Symptomen geht? Dann wir die Therapie auf jeden Fall deutlich schwieriger.

 

Wer sollte zur Darmkrebsvorsorge oder Untersuchung kommen?

Hat man in der Familie - das kann in der Elterngeneration oder aber auch bei den Geschwistern sein - bereits Fälle von Polypen oder Darmkrebs, sollte man auf jeden Fall zur Vorsorge gehen. Grundsätzlich kann man die Empfehlung aussprechen, dass Männer ab dem 50 und Frauen ab dem 55 Lebensjahr zur Vorsorge sollten. Das muss nicht heißen, dass in diesem Alter bereits eine Erkrankung auftritt, aber nur so kann man Patienten rechtzeitig „screenen“ und als risikobehaftet einstufen oder eben nicht. Sollten im Übrigen keine Polypen oder anderes gefunden werden, muss eine Vorsorgeuntersuchung erst wieder nach acht bis zehn Jahren stattfinden.

 

Warum gehen so wenig Leute zur Darmkrebsvorsorge?

Diese Frage kann sich jeder einmal selbst stellen und wird schnell merken, dass eine Darmspiegelung ein sehr sensibles und durchaus schambehaftetes Thema ist. Was einige nicht wissen ist, dass Darmkrebs aber, wenn er früh genug entdeckt wird, sehr gut behandelbar ist. Darum: Es ist nie zu früh für eine Darmspiegelung! Das soll heißen, auch in jungen Jahren kann das passieren - man muss nicht unbedingt warten, bis man 50 oder älter ist.

Spricht man mit Patienten, die ihre erste Darmspiegelung bereits hinter sich haben, hört man Sätze wie „so schlimm war das gar nicht,“ oder „ich habe geschlafen und nichts davon mitbekommen“. In der Tat kann so eine Untersuchung aufklären, informieren und die Angst vor der nächsten Vorsorgeuntersuchung nehmen.

Noch vor der Darmspiegelung kommt die Stuhlprobe auf Blut. Man sieht das Blut nicht, aber es kann im Stuhl nachgewiesen werden. Der Stuhltest ersetzt leider keine Darmspiegelung, aber ist sicher ein erster Hinweis, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Wer sich nun also des Themas Darmkrebsvorsorge annehmen möchte und nicht gleich den Mut für eine Spiegelung findet, für den könnte eine Stuhluntersuchung ein erster Schritt sein.

Was in jedem Fall und immer geht, ist ein Gespräch mit einem Arzt – Ihr Darm wird es Ihnen danken!