„Wenn Sie schon mal da sind“ – Typisierungsaktion beim Corona-Test

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Stammzellen spenden:
Wenn der Corona-Test gleich mehrere Leben rettet

 

Abstrich ist nicht gleich Abstrich


Nürnberg – Um die in der Corona-Pandemie drastisch zurückgegangenen Neuregistrierung von Stammzellspendern bei der Stiftung AKB (Aktion Knochenmarkspende Bayern) anzukurbeln, haben sich die Ärzte des Medic-Centers Nürnberg etwas Cleveres einfallen lassen. Der Gang zum „gewöhnlichen“ Corona-Abstrich wird gleichzeitig eine Typisierungsaktion für mögliche Spender im Kampf gegen Blutkrebs.

In der Corona-Pandemie kommen seit Monaten viele Bereiche unseres gewohnten Lebens fast völlig zum Erliegen: Restaurants, Kinos, Fitness-Studios etc.. Aber auch weniger naheliegende, jedoch viel wichtigere Bereiche, wie die Stammzellspendenaktionen der AKB stagnieren - was für Patienten, die an Leukämie oder ähnlichen Blutkrankheiten leiden, verheerend ist.

Leukämie und andere Störungen der Blutbildung, wie z. B. Anämie oder Immundefekte sowie Lymphome, können heute durch die Übertragung von Blutstammzellen eines gesunden Spenders geheilt werden. Doch passende Spender sind rar. Die AKB organisiert jährlich viele Präsenz-Aktionen zur Gewinnung neuer Sender, was in Corona-Zeiten nicht möglich ist. Wenn sich keine neuen Spender in der Datenbank registrieren, warten Krebs-Patienten vergeblich auf eine passende Spende.

Falk Stirkat, Arzt im Medic-Center Nürnberg, hatte die zündende Idee zu dieser Misere: „Viele lassen sich derzeit auf Corona testen. Und egal ob Schnelltest oder PCR, es ist immer ein Abstrich, der genommen wird. Fast genauso, wie der Typisierungs-Abstrich für die Stammzellenspender. Warum verbinden wir das nicht miteinander?“

Die Idee fand beim Vorstand der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern, Dr. Hans Knabe, sofort Anklang: „Wir alle haben individuelle Gewebemerkmale. Aus diesem Grund ist es gerade für Blutkrebspatienten schwer, passende Stammzellspender zu finden. Und wenn sich keine neuen Menschen registrieren, schrumpft der Pool an potenziellen Stammzellspendern immer weiter, es können keine passenden Spender gefunden werden. Die Idee, Menschen beim Corona-Abstrich zu fragen, ob sie Stammzellspender werden wollen, ist so genial wie einfach. Sie sind ‚eh da‘ und lassen einfach einen zweiten Abstrich machen.”

Auch der leitende Arzt des Medic-Centers Nürnberg, Norbert Schöll, ist begeistert: „Die Menschen sind frustriert. Wir brauchen positive Signale in diesen Zeiten. Die Kombination, den Menschen die Möglichkeit zu geben, mit einer Typisierung etwas Gutes zu tun UND sich nach dem Corona-Abstrich sicher zu fühlen, hat was. Denkt man genauer darüber nach, rette ich mit den beiden Abstrichen gleich mehrere Leben: Die, die ich nicht mehr mit Corona anstecken kann und die, denen ich evtl. mit einer Stammzellenspende helfen kann.“

Natürlich ist bei einer Typisierung für eine Stammzellspende eine ausführliche Aufklärung unabdingbar. „Die Menschen müssen wissen, was mit ihrem Abstrich und ihren Daten passiert. Das Thema Datenschutz ist uns hier sehr wichtig. Außerdem soll klar sein, wie es weitergeht, wenn man als passender Spender ausgewählt wird,“ so Falk Stirkat, der das gemeinsame Projekt organisieren und ärztlich betreuen wird.
Um zu sehen, wie die zusätzlichen Gespräche und Abstriche organisatorisch in die Tat umzusetzen sind – immerhin ist ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand zu stemmen, den die Mitarbeiter des Medic-Centers Nürnberg in die bisherigen Abläufe integrieren müssen - wird es Mitte April einen Testlauf an der Nürnberger Sabel-Schule geben. Deren Direktor, Michael Gruber, hat die Schülerschaft bereits informiert, dass bald zusätzlich zu den bisherigen Reihentestungen des Medic-Centers nun auch die Möglichkeit besteht, Stammzellspender zu werden.

Patienten, die sich unabhängig von einem Corona-Abstrich für die Registrierung als Stammzellspender interessieren, können sich unter der E-Mail Adresse stammzellspender@mediccenter.de direkt ans Medic-Center Nürnberg wenden. Gibt man hier Name und Telefonnummer an, ruft die Praxis zur Terminvereinbarung zurück. Unabhängig von einem Corona-Test im Medic-Center Nürnberg, kann bei der Stiftung AKB unter www.akb.de jederzeit kostenfrei ein Lebensretterset nach Hause bestellt werden, das alles enthält, was für die Registrierung als Stammzellspender notwendig ist.

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